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Universitäts-professor Gerd Gigerenzer (Foto: Dietmar Gust)

"Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft" - Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Gerd Gigerenzer an der Universität Salzburg

18. Feber 2016 | 10:56 Autor: Universität Salzburg Österreich, Salzburg

Salzburg (A) Anfang März spricht der bekannte deutsche Psychologe Gerd Gigerenzer an der Universität Salzburg über das Thema „Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“.

Der Direktor des Max Planck Instituts für  Bildungsforschung in Berlin, der von 1990 bis 1992 eine Professur an der Universität Salzburg innehatte, ist einer der international meistzitierten deutschsprachigen Psychologen. Er forscht zur Frage wie man Entscheidungen trifft wenn Zeit und Information begrenzt sind. Der breiten Öffentlichkeit ist der Kognitionspsychologe mit seinem Buch „Bauchentscheidungen“ bekannt geworden, welches in 17 Sprachen übersetzt wurde.

Gigerenzers These: Menschen entscheiden unter Ungewissheit dann besonders gut, wenn sie nicht zu lange nachdenken, sondern nach Faustregeln vorgehen. Für Aufmerksamkeit sorgt Gigerenzer zudem mit seiner Kritik an irreführenden Interpretationen statistischer Informationen über den gesundheitlichen Nutzen des Brustkrebs-Screenings. Der Vortrag von Gerd Gigerenzer am 9. März um 17.30 Uhr im Audimax der Naturwissenschaftlichen Fakultät findet im Rahmen der Vortragsreihe der Salzburger Gesellschaft für Psychologie statt.

„In dieser Welt ist nichts gewiss, außer dem Tod und den Steuern“, schrieb Benjamin Franklin vor mehr als 200 Jahren. Dennoch suchen Menschen ständig nach Gewissheiten die nicht existieren. Eine Möglichkeit in der modernen Welt zu bestehen sehen immer mehr Bürger darin, sich auf Fachleute zu verlassen und von diesen bevormundet zu werden. Dagegen schreibt Gerd Gigerenzer an,  auch in seinen neuen Büchern „Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ (Verlag Bertelsmann 2013) und „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet. Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“ ( Campus-Verlag 2014).

„Erinnern Sie sich an den Vulkanausbruch auf Island mit seiner Aschewolke? Die Immobilienkrise? Was ist mit dem Rinderwahnsinn? Jede neue Krise macht uns Sorge, bis wir sie vergessen und uns wegen der nächsten sorgen... Wenn etwas schiefgeht, erzählt man uns, künftige Krisen ließen sich durch bessere Technik, mehr Gesetze oder aufwendige Bürokratie verhindern“, schreibt Gigerenzer in seinem Buch „Risiko“. Was den Menschen de facto aber besonders fehle sei Risikokompetenz, also die Fähigkeit mit Unsicherheiten rational umzugehen. Das betreffe Laien gleichermaßen wie Experten, kritisiert Gigerenzer. Ärzte, Juristen, Finanzfachleute, Manager oder Politiker seien oft selbst nicht in der Lage, Risiken richtig einzuschätzen, umso weniger sie anderen verständlich zu machen. Der Appell des Psychologen richtet sich an jeden einzelnen, selber zu denken.

Gigerenzer betont, dass jeder der risikokompetent werden will, es auch könne. Dabei kritisiert er Modelle, die Entscheidungen als das Resultat  komplexer analytischer Berechnungsverfahren betrachten. Diesem Ansatz folgt oftmals die Ratgeber- oder Unternehmensberatungsliteratur. Das sei zwar logisch, aber die menschliche Intelligenz funktioniere nicht wie eine Rechenmaschine.

Für Gigerenzer ist die Logik nur eine von vielen Seiten menschlicher Intelligenz. „Intelligenz stellen wir uns als eine überlegte, bewusste Tätigkeit vor, die von den Gesetzen der Logik bestimmt wird. Doch ein Großteil unseres geistigen Lebens vollzieht sich unbewusst und beruht auf Prozessen, die nichts mit Logik zu tun haben: Bauchgefühle oder Intuitionen. Wir haben Intuitionen über Sport, Freunde, die richtige Zahnpasta und andere gefährliche Dinge. Wir verlieben uns und spüren, dass der DAX steigen wird“ schreibt er in  seinem Buch “Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“ (Bertelsmann-Verlag  2007).

Das Bauchgefühl dürfe dabei nicht mit einer zufälligen Eingebung, einer impulsiven Laune oder mit Naivität verwechselt werden. Den Intuitionen liegen laut Gigerenzer vielmehr unbewusste, einfache Faustregeln zugrunde, die sich evolutionär entwickelt haben und auf dem ständigen Austausch mit der Umwelt beruhen. Faustregeln speisen sich aus Erfahrungen und sozialen Instinkten und führen deswegen oft zu guten Ergebnissen, weil sie unwichtige Informationen schlichtweg ignorieren. Ein „Weniger ist (manchmal) mehr Effekt“, der  sich  an zahlreichen Beispielen – vom Quiz “Wer wird Millionär?“ über die Arbeit von Drogenfahndern bis zum Verhalten beim Kauf von Markenartikeln - oft zeige.

Bauchentscheidungen, die nur auf einem einzigen guten Grund beruhen, ersparen uns oft viel Zeit und führen unter bestimmten Voraussetzungen auch zu besseren Ergebnissen als das genaue Abwägen aller Alternativen. Paradox formuliert besteht die Lebenskunst in einer Welt der Informationsüberflutung darin, intuitiv zu wissen, was sich nicht zu wissen lohnt, so Gigerenzer.

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