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(v. l.): Spartengeschäftsführer Dr. Reinhold Hauk, Lehre-Maturantin Christina Schreder, Georg Imlauer, Fachgruppenobmann Hotellerie in der WKS, Front-Office-Managerin Daniela Eder und Spartenobmann Albert Ebner.

Neue Diplomakademie in der touristischen Fachkräfteausbildung eröffnet

17. September 2018 | 16:11 Salzburg

Salzburg (A) Mit einer österreichweit einzigartigen Initiative gegen den Fachkräftemangel gehen die Fachgruppen Hotellerie und Gastronomie in der WK Salzburg gemeinsam mit der „Tourismus Akademie Salzburg“ an den Start. „Wir gehen aktiv den Fachkräftemangel an und wollen Maturanten, Hilfskräften und motivier-ten Erwachsenen eine attraktive berufliche Qualifizierungsmöglichkeit bieten“, betonen Spartenobmann Albert Ebner und Projektinitiator Georg Imlauer, Obmann der Fachgruppe Hotellerie, im Rahmen der Präsentation der neuen Diplomakademie Tourismus.

Der staatlich zertifizierte Diplomlehrgang für Tourismusberufe soll in nur zwei Jahren einen Lehrabschluss in den Berufen Koch, Restaurantfachmann bzw. Hotelkaufmann ermögli-chen. Die Kandidaten erhalten keine Lehrlingsentschädigung, sondern werden nach dem Kollektivvertrag bezahlt (mindestens 1.500 €). Die theoretische Ausbildung erfolgt in zwei kompakten Blöcken am WIFI Salzburg bzw. in der Berufsschule.

Der heimische Tourismus ist eine boomende Branche. In den vergangenen zehn Jahren haben die Nächtigungen um fast 30% und die Ankünfte um knapp 50% zugenommen. Der Tourismus trägt mit rund 4,5 Mrd. € direkter touristischer Wertschöpfung mittlerweile 24% zum Salzburger Regionalprodukt bei. Gastronomie und Hotellerie bieten rund 40.000 Menschen in Salzburg Arbeit - indirekte Arbeitsplätze etwa in Sportgeschäften nicht eingerechnet. Mit dieser guten Entwicklung geht aber ein großer Mangel an Fach-kräften einher. „In Salzburg nimmt die Tourismuswirtschaft eine Schlüsselrolle ein. Sie sorgt für Beschäftigung auch in entlegeneren Bezirken und hält, wie bereits gezeigt, in konjunkturell schwächeren Phasen den Konjunkturmotor am Laufen. Diese gute Position muss auch in Zukunft gesichert werden“, betont Ebner, der auch als Obmann der Wei-terbildungseinrichtung Tourismus Akademie Salzburg in Bischofshofen fungiert.

Neue Zielgruppen für Fachkräfteausbildung erschließen
Mit knapp 1.000 Lehrlingen in Salzburgs Gastronomie und Hotellerie sorgt die Branche nach wie vor selbst für einen Großteil des Fachkräftenachwuchses. „Die duale Ausbildung ist und bleibt somit das Kernelement der touristischen Fachkräfteausbildung in Salz-burg“, erläutert Ebner. Aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Konkurrenz zu anderen Berufen und Schulen reicht diese Ausbildungsschiene allerdings bei weitem nicht mehr aus. „Die aktuell 436 beim AMS Salzburg gemeldeten offenen Lehrstellen im Tourismus in Salzburg sprechen hier eine deutliche Sprache“, betont Eb-ner. „Wir wollen daher neue Zielgruppen für die Lehre erschließen.“

Um diese Fachkräftelücke zu schließen, setzen Salzburgs Touristiker nun aktiv auf die Schiene zweiter Bildungsweg. Schätzungen gehen davon aus, dass in Salzburg rund 2.800 potenzielle Kandidaten für diese Ausbildung in Frage kommen. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass viele junge Menschen etwa nach der Matura noch nicht wissen, wie sie ihren weiteren Karriereweg gestalten wollen. Viele jobben im Tourismus – an Bars, in Küchen oder als Skilehrer. Diesen jungen Menschen wollen wir nun mit der Diplomaka-demie Tourismus ein attraktives Angebot machen, bei dem sie ihren Job mit einer zu-kunftsträchtigen Ausbildung kombinieren können“, sagt Initiator Imlauer. Ebenso steht die Diplomakademie etwa auch für langjährige Hilfskräfte und motivierte Erwachsene offen, die ihr Wissen entsprechend upgraden wollen.

„Um für diese Zielgruppe attraktiv zu sein, haben wir wesentliche Änderungen zur klas-sischen dualen Berufsausbildung vorgenommen“, erklärt Imlauer. „Maturanten bzw. Er-wachsene mit Berufserfahrung brauchen einfach keine Berufsschulausbildung in der klas-sischen Form. Sie bringen schon umfangreiches Vorwissen mit, daher haben wir diese Schiene von dreimal drei Monaten in drei Jahren im klassischen Lehrberuf auf zweimal vier Wochen Ausbildungszeit in zwei Jahren verkürzt“, erläutert der Projektinitiator. „Unser Diplomlehrgang ist eine erstklassige praktische und fachtheoretische Ausbildung auf der Höhe der Zeit. Der Lehrplan ist den Anforderungen einer modernen Gastronomie bzw. Hotellerie angepasst.“ Wesentlich sei auch, dass die Teilnehmer hier mit gleichalt-rigen Erwachsenen und nicht mit jugendlichen Schülern ihre Kurse besuchen. Last, but not least ist die Entlohnung nach Kollektivvertrag für diese Zielgruppe wesentlich attrak-tiver als die Lehrlingsentschädigung und nimmt zudem auf deren Bedürfnisse und Le-benssituation Rücksicht.

Großes Potenzial bei „Lehre nach der Matura“
„Wenn man nach Deutschland blickt, sieht man, wie groß das Potenzial einer Lehre nach der Matura ist. Dort entscheiden sich bereits 27% aller Maturanten für diesen Bildungs-weg. Bei uns ist dieser Anteil noch verschwindend klein. Wir haben also noch viel Luft nach oben und sind überzeugt, dass wir mit unserem neuen Ausbildungsangebot einen wesentlichen Beitrag dazu leisten werden, die Lehre für diese Zielgruppe attraktiver zu gestalten. Darüber hinaus wollen wir zur Imageverbesserung der Lehre generell beitra-gen“, betont Imlauer.

Laut ersten Umfragen der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKS sind mehr als ein Dutzend Betriebe in Salzburg dazu bereit, ab sofort mit dem neuen Ausbildungs-angebot zu beginnen und Lehrlinge aufzunehmen. „Die WKS hat dazu auch eine eigene Hotline eingerichtet“, erläutert Spartengeschäftsführer Dr. Reinhold Hauk. Karl Hodits steht unter Tel. 0662/8888, Dw. 247 für Anfragen von Bewerbern und Betrieben zur Ver-fügung. Darüber hinaus wird die Diplomakademie Tourismus mit Foldern und Plakaten speziell für die Betriebe sowie einer eigenen Homepage beworben.

„Wir setzen große Hoffnung in unser neues Ausbildungsangebot. Es ist ein Meilenstein in der touristischen Ausbildung in Salzburg und österreichweit bislang einzigartig“, resü-mieren Ebner und Imlauer.

Die Kernelemente der Diplomakademie Tourismus:

-    2 Jahre Ausbildung im Betrieb plus zweimal fachtheoretischer Kurs am WIFI Salz-burg bzw. in der Berufsschule (jeweils vier Wochen in der Nebensaison im April)
-    Entlohnung nach Kollektivvertrag (mindestens 1.500 €)
-    Erstklassige praktische und fachtheoretische Ausbildung gemeinsam mit gleichalt-rigen Erwachsenen
-    Außerordentliche Lehrabschlussprüfung nach 2 Jahren
-    Förderung der Kurskosten am WIFI durch den Bildungsscheck des Landes
-    Kost und Logis (wenn möglich) frei
-    Jobgarantie
-    Aufstiegschancen

Bereits in der Vergangenheit hat die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKS viel gegen den Fachkräftemangel unternommen. Mit der Imagekampagne „get a job“ wird seit 15 Jahren erfolgreich Stimmung für eine Lehre im Tourismus ge-macht. In dieser Zeit wurde im Rahmen von Betriebsbesuchen und Schülerinterviews mit Tourismusvertretern 20.000 Jugendlichen ein Einblick in die Gastronomie und Hotellerie gegeben. 140 Partnerbetriebe waren bislang eingebunden. In der 2015 ge-schaffenen Lehrlingsakademie an der Tourismus Akademie in Bischofshofen haben bislang 350 Lehrlinge aus 100 Salzburger Ausbildungsbetrieben eine überbetriebliche Spezialausbildung (z. B. Servicemanagement, Kommunikation, Patisserie, Käsesom-melier, etc.) erhalten.

  • (v. l.): Georg Imlauer, Fachgruppenobmann Hotellerie in der WKS, Lehre-Maturantin Christina Schreder, Spartenobmann Albert Ebner, Front-Office-Managerin Daniela Eder und Spartengeschäftsführer Dr. Reinhold Hauk.
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