PayPal im Abwärtstrend – was ist passiert?

PayPal im Abwärtstrend – was ist passiert?

PayPal gehört sowohl in Österreich als auch auf internationaler Ebene zu den beliebtesten und am meisten verbreiteten Zahlungsdienstleistern überhaupt. Das zeigte sich vor allem im vergangenen Jahr: PayPals Zahlen in sämtlichen Bereichen brachen Rekorde und Aktienwerte legten an der Börse einen Bullenritt hin. Das Jahr war geprägt von diversen Neueinführungen seitens PayPals. Darunter etwa die Möglichkeit für Kunden, jetzt zu kaufen und später zu zahlen, sowie die Einführung von Kryptowährungen auf der PayPal-Plattform. So können US- und nun auch UK-Kunden mithilfe von PayPal Kryptowährungen wie Bitcoin erwerben, halten und verkaufen. Mit der stetig steigenden Bekanntheit der digitalen Assets verpasste dieser mutige Schritt dem Fintech-Unternehmen reichlich Aufwind, sodass die Aktie im Februar dieses Jahres mit USD 310 ein neues Allzeithoch erreichte.

Kürzlich legte PayPal jedoch den Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2021 vor, woraufhin die Aktie im Sturzflug an Wert verlor. Was ist passiert?

Die Konkurrenz schläft nicht
PayPal trifft mit seinen E-Payment-Produkten im digitalen Zeitalter von heute ins Schwarze und bietet eine komfortable, sichere und effiziente Zahlungsmethode für Nutzer. Gemeinsam mit Kreditkartenzahlungen und Kauf auf Rechnung ist die PayPal-E-Wallet in Österreich die beliebteste Online-Zahlungsart, die von rund 42 % der Nutzer verwendet wird. Dabei wird die E-Wallet-Landschaft stetig vielfältiger, während immer mehr neue Anbieter auf den Markt treten. Um mit dem Giganten PayPal mithalten zu können, haben sich einige Services auf bestimmte Nischen fokussiert, wie zum Beispiel die Dienste von Neteller und Skrill zeigen.

Diese Services spezialisieren sich auf Zahlungen im Gaming-Bereich und haben sich dort einen Namen gemacht. Nachdem PayPal seine Services bei Online Casinos beendet hat, bieten diese E-Wallets populäre Alternativen für seriöse PayPal Casinos, die schnelle Ein- und Auszahlungen online ermöglichen. So kann man nun zwischen Alternativen wie zum Beispiel Neteller, Skrill und auch Trustly wählen. Neben ihnen etablieren sich aktuell stetig weitere Dienste, die dem Zahlungsriesen zur Konkurrenz werden. Allen voran gilt Apple Pay, der Zahlungsservice des Tech-Riesens Apple, der Zahlungen für Apple-Nutzer besonders schnell und einfach gestaltet, als gewaltige Konkurrenz für PayPal. Zum einen ermöglicht Apple Pay das Bezahlen von Apps und Spielen im App Store mit nur einem Klick, zum anderen verbreitet sich die Zahlungsoption auch im Web und an der Kasse zur kontaktlosen Bezahlung stetig.

Der Zahlungsanbieter Square, der vor allem in den USA stark verbreitet ist, stellt ebenfalls eine große Konkurrenz für PayPal dar. Gerade führten auch Square, ähnlich wie PayPal, Kryptowährungen ein sowie die Möglichkeit, jetzt zu kaufen und später zu bezahlen. Auch Amazon und Shopify etablieren sich zunehmend zur Konkurrenz für PayPal, da auch sie ihre eigenen Zahlungsmethoden eingeführt haben, die anstelle von PayPal verwendet werden können.

Ein nicht zufriedenstellender Quartalsbericht
Angesichts des stetigen Wachstums des Marktes und der kontinuierlichen Etablierung neuer Unternehmen, die dem Fintech an den Fersen hängen, könnte es laut der Investmentbank Bernstein PayPal an den Kragen gehen. Sie haben das Unternehmen herabgestuft, da sie glauben, PayPal würde sich zukünftig immer stärkerer Konkurrenz gegenübersehen. Das sind Töne, die den Investoren nicht gefallen haben, was durch einen nicht zufriedenstellenden Quartalsbericht weiter bestärkt wurde.
So scheint dem immensen und rasanten Wachstum des Fintech-Unternehmens aus dem letzten Jahr nun die Bremse gezogen worden zu sein.

Der im November veröffentlichte Quartalsbericht zeigt dies eindeutig. So stiegen die Umsätze zwar um 13 %, dies liegt allerdings deutlich unter dem Wachstum um 25 % im vergangenen Jahr. Mit einem Quartalsumsatz in Höhe von USD 6,18 Milliarden wurden außerdem die Erwartungen untertroffen. Damit einhergehend wurden auch die Erwartungen für das Wachstum bis zum Jahresende zurückgeschraubt. Die PayPal-Aktie strich im Zuge dessen immense Kursverluste ein und verlor mit einem Kurs von USD 183,5 im Vergleich zum Allzeithoch im Februar rund 40 % an Wert. Nach sieben aufeinanderfolgenden verlustreichen Wochen konnte sich der PayPal Aktienkurs wieder leicht erholen und befindet sich aktuell bei USD 186,38.

Nach ihrem Bullenritt im letzten Jahr geht es für den Zahlungsdienstleister PayPal aktuell abwärts. Das Fintech-Unternehmen hatte mit seinen E-Payment-Optionen vorgelegt, doch die Konkurrenz holt auf. Dabei sollte jedoch die Innovationskraft, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis stellte, nicht unterschätzt werden. Ob sich PayPal aus dem Abwärtstrend befreien können wird, kann daher nur die Zukunft zeigen. 

 

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